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Geierwally Freilichtbühne

2005
"Die Kindertragödie"

Junge Menschen wachsen in der scheinbar heilen Welt auf, die von dem Streben nach der Gnade Gottes dominiert wird. Nach und nach enthüllen sie die Verlogenheit ihrer Umwelt und müssen erkennen, dass sogar ihre „fromme“ Mutter mit ihnen nur ein Spiel spielt. Sie betrügt ihren Mann, einen angesehenen Förster, mit dem jungen Forstgehilfen. Eine Welt stürzt zusammen für die drei heranwachsenden Kinder. Der Zuschauer erlebt die Wandlung verspielt naiver, junger Menschen, die langsam abstumpfen in der Welt, die sie nicht verstehen, und deren Unschuld allein durch die Nähe des Bösen korrupiert wird.

Buch: Karl Schönherr
Regie: Markus Plattner

Der Dramatiker Karl Schönherr

Er kommt aus der naturalistischen Tradition des Volkstheaters des 19. Jahrhunderts. In beinahe holzschnittartigen Zeichnungen seiner Figuren und Charaktere zeigte er Heimat als Ort gesellschaftlicher Realität und sozialer Konflikte. Mit unbestechlichem, realistischem Blick beschrieb er Menschen in ihrer Existenznot und in ihrem Daseinskampf. „Schon in den ersten Geschichten und Gedichten Schönherrs ist seine Kunst unverkennbar, mit wenigen knappen Strichen Menschen zu gestalten und sie im Dialog zu charakterisieren; wie ein Holzschnitzer arbeitet er aus ungefügtem Stoff ständig verfeinernd und bessernd seine Figuren heraus und weis sie dem Leser plastisch vor Augen zu führen (Franz Hadamowsky)  Bilder leidvollen Lebens sind die Dramen Karl Schönherrs. Gestalten, die von Dämonen ihres Inneren zu unseligen Taten getrieben werden, und solchen, die über sich selbst hinauswachsen durch die substanzsicheren ethischen Siegel, die sie der furchtbaren Ausgesetztheit ihres Menschseins aufprägen, stehen im Mittelpunkt seiner Werke.

Schönherr selbst hat sich lebenslang energisch dagegen gewehrt, als Verherrlicher von „Scholle“, „Bodenständigkeit“ und „Erdgeruch“ zu gelten.

Kurzbiographie

Der Arzt und Schriftsteller Dr. Karl Schönherr wurde am 24. Februar 1867 als Lehrersohn in Axams/’Tirol geboren. Er besuchte das Gymnasium, studierte in Innsbruck und Wien und promovierte 1896 zum Doktor der Medizin. Zunächst in St. Pölten als Hilfsarzt tätig, etablierte er sich bald als praktischer Arzt in Wien. Die Erfahrung der existenzbedrohenden Armut seiner Kindheit sowie Fragen des ärztlichen Berufsethos sind in vielen seiner Stücke eingegangen, die sozialen Verhältnisse nach dem ersten Weltkrieg zum Thema haben, wie etwa „Die Hungerblockade“, 1925, „Der Armendoktor“, 1927, oder „Herr Doktor haben sie zu essen?“, 1930. Schon als Student veröffentlichte Schönherr mundartliche Gedichte und Geschichten aus den Tiroler Alpen, was ihm eine anerkennende Besprechung von Peter Rosegger einbrachte. Sein erster dramatischer Versuch, „Der Judas von Tirol“, 1897 im Theater an der Wien uraufgeführt, blieb zunächst unbeachtet; als sich jedoch mit der Uraufführung des Einakters „Die Bildschnitzer“, 1900 erste Bühnenerfolge einstellten, gab er seine Arztpraxis auf. Mit dem Drama „Sonnwendtag“ wurde Schönherr 1902 erstmals am Burgtheater gespielt und mit der Aufführung von „Erde“ 1907 begann wohl seine produktivste und erfolgreichste Phase, in der alle wichtigen Stücke entstanden sind. 1911 und 1917 wurde Schönherr mit dem Grillparzerpreis ausgezeichnet. „Es ist bedeutsam, dass der Tiroler erst fern vom heimatlichen Milieu zum Gestalter seiner ursprünglichen Umwelt wurde. Er brauchte die Distanz, die klärende, verallgemeinernde Ferne – nicht um das verlorene Tirol zu idealisieren, sondern um die Welt seiner Jugend ohne die Schlacken der Tagtäglichkeit zu sehen.“ (Hans Weigel). Die Aufführungen der legendären „Exl-Bühne“, einer Tiroler Volksschauspieltruppe, wurde zum Maßstab einer authentischen Schönherr-Interpretation. Schönherrs wichtigste Bühne blieb jedoch zeitlebens das Wiener Burgtheater, in dessen Auftrag zahlreiche Werke entstanden sind. „In die Zeit des ersten Weltkriegs fallen noch drei bedeutende Schöpfungen; und alle drei zeigen ihn auf der Höhe seiner Kraft um besondere Konzentration bemüht. Er war schon bisher sparsam in seinen Mitteln gewesen, nun strebt er nach äußerster, fast asketischer Knappheit. „Weibsteufel“ und „Kindertragödie“ haben nur einen Schauplatz. Da wird nichts ausgesprochen, alles nur angedeutet und umschrieben und offengelassen“ (Hans Weigel). Der Weibsteufel (1914) wurde mehrfach verfilmt und in mehrere Sprachen übersetzt. Eine Gruppe von Dramen („Der Judas von Tirol“, 1897; Volk in Not“, 1916;) beschäftigt sich mit den Tiroler Freiheitskämpfen der Jahre 1809/10. Schönherrs letztes Stück „Die Fahne weht“ (1937) wurde kurz nach dem Einmarsch der Hitlertruppen in Österreich zum ersten Stück, das am Burgtheater unter der Direktion des nationalsozialistischen Direktors Mirko Jelusich aufgeführt wurde. Schönherr verfolgte mit seiner Dramatik keine unmittelbaren politischen Ziele. Figurenzeichnung und die Wahl seiner Themen rückten ihn aber in die Nähe der „Blut- und Boden Literatur“, deshalb war Schönherrs Werk von den Nationalsozialisten wohl leicht zu vereinnahmen. Aber auch weil Schönherr, aufgrund seiner Ehe mit einer jüdischen Frau diesem Missbrauch nicht energisch genug entgegentrat. Bald nach seinem 70. Geburtstag erkrankte er. Nach langem Siechtum starb er am 15. März 1943.

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